Coden mit Scratch

variablezeit

Seit geraumer Zeit, einem gefühlten Jahrzehnt vor dem Digitalpakt, wird ein Ruf immer lauter: Programmieren in der Grundschule oder besser noch im zarten Kindergartenalter!
Der Forderung Informatik als Pflichtfach kann ich nicht zustimmen. Wozu brauchen Kinder noch mehr isoliertes Fachwissen, das zum Selbstzweck gelernt wird? Die Begeisterung für das Programmieren gelingt dann, wenn der Zugang durch Eigenmotivation, Emotion, eigenen Fragestellungen, Rätseln, Problemlösen und entdeckendem Lernen ermöglicht wird. Als Element der fachübergreifenden Kompetenzentwicklung ist die Medienbildung tatsächlich vernetzt zu verstehen. Und zwar mit allen Fächern.
Das Basiscurriculum Medienbildung1 definiert den Medienbegriff über analoge sowie digitale Medien, darunter auch dynamische Textsorten und animierte Grafiken. Zu den Standards zählen u.a. Produzieren und Analysieren.

Scratch bietet dafür zum Beispiel Möglichkeiten für das

  • Umsetzen von Geschichten.
  • Erstellen von Umfragen.
  • Erschaffen von und Navigieren in Schatzkarten, Labyrinthen und dem Koordinatensystem.
  • Erzählen von Witzen oder kurzen Dialogen.
  • Entwerfen von Spielen.
  • Vertonen von Szenen.
  • Komponieren von Musik.
  • ...

Der Schwerpunkt liegt auf dem Remixen vorhandener bzw. dem Erstellen eigener Projekte. Scratch ist kostenlos, werbefrei und vergleichbar mit Open Roberta vom Fraunhofer-Institut IAIS.

Konkrete Beispiele aus meiner Praxis: Klassengespenster ist angelehnt an unser analoges, physisches Klassengespenst, welches auf die Briefe der Kinder antwortet und weitere Schreibaufgaben anbietet. Hier handelt es sich um ein Reaktionsspiel, das den Kleinsten hilft, ein Gefühl für die Maus zu entwickeln:

Der Einsatz im Deutschunterricht kann Erzählanlässe unterstützen. Die lineare Abfolge von Erzählschritten wird durch die Reihenfolge der Code-Blöcke visualisiert. Aus der Sicht des Drachen soll in diesem Beispiel die Siegfried-Sage2 neu erzählt werden. Vorhandene bzw. bekannte Erzählstrukturen werden imitiert und adaptiert. Das ist eine Säule von Storytelling3.

Mit Martin Riemer habe ich erst letzte Woche über einem Kaffee über Medienbildung bzw. -erziehung sinniert. Von diesem Austausch habe ich viel mitgenommen; neue Ideen, Bestätigung und eine Nase voll frischer Luft beim Kreuzbergspaziergang. Martin organisiert seit vielen Jahren Projekte an Grundschulen und ist in der Szene aktiv ohne gewaltsam zu missionieren. Danke dafür. Der Verein Metaversa e.V. sei allen Kolleginnen und Kollegen hiermit ans Herz gelegt.

Im Netz finden sich unzählige freie Ressourcen und kostenpflichtige Angebote für den Einstieg in das Programmieren mit dem Block-Editor Scratch. Zu meinen Favoriten zählen:

Fall ihr weitere Empfehlungen und Tipps habt, schreibt sie doch bitte in die Kommentare.

  1. RLP-Online Berlin-Brandenburg, 2017

  2. In einer deutschen Schulbuch-Fassung. Das Nibelungenlied gibt zum Drachen ja nicht viel her.

  3. Storytelling als Methode